YouTube für Schule und Hobby

Eltern heutzutage mögen sich vielleicht beklagen, dass ihre jugendlichen Kinder stundenlang ihren Lieblings-YouTubern auf ihren Smartphones zusehen, oder dass ihre Kleinsten zu viele Cartoons auf YouTube konsumieren, doch YouTube hat sich trotz seines Images von seichter Unterhaltung in den letzten Jahren zu einer sehr wichtigen Bildungsquelle entwickelt. Selbst mittels Cartoons und YouTubern kann man einiges lernen. Als Englisch-Lehrer ist es meine Erfahrung, dass dies ein Großteil meiner besten Schüler_innen auch tut und ich ermutige meine schwächeren Schüler_innen ihrem Beispiel zu folgen. Auch für Elternteile ist es wohl leichter Teenager dafür zu motivieren sich zumindest englischsprachige YouTuber anzusehen, als ihnen YouTuber völlig zu verbieten.

YouTube ist mittlerweile neben PowerPoint eines der meistverwendeten digitalen Hilfsmittel im Unterricht von vielen Lehrenden. Darüber hinaus wird das aus den Vereinigten Staaten kommende Model des „Flipped Classrooms“, bei dem sich die Schüler_innen den Unterrichtsstoff in einem Videovortrag zuhause ansehen und dafür im Unterricht mehr Übungsmöglichkeiten und individuelle Betreuung erhalten, auch in Europa immer beliebter. Daher findet man auf YouTube mittlerweile zahlreiche Videos zu fast allen schulischen Themen, wobei das Angebot im deutschsprachigen Bereich dem englischsprachigen Angebot noch weit hinterher hinkt. Ein Blick ins Internet lohnt sich aber allemal – unter Umständen kann man sich dabei teure Nachhilfe sparen. Das bekannteste Beispiel dafür sind die Videos der Khan Academy aus den Vereinigten Staaten.

Eltern sollten versuchen ihren Kindern von klein auf klar zu machen, dass Videos nicht nur der Unterhaltung dienen, sondern auch dem persönlichen Wissenserwerb und auch für Hobbys dienlich sind. YouTube bietet fast allen Typen und Charakteren von Sportler_innen bis zu Tech Geeks nützliche Informationen. Viele Jugendliche sehen sich z.B. Make-up und Gaming Tutorials auf YouTube an. Warum nicht das Spektrum erweitern? Ein neues Instrument lernen? Schwierige wissenschaftliche und technische Themen werden oft in unterhaltsamen Animationen sehr verständlich erläutert. Die vielleicht bekanntesten Channels dafür sind die Ted Talks (auch als kindgerechte Variante Ted-ed verfügbar). Noch ist ein Großteil der Vorzeige-Channels auf Englisch, aber auch das Angebot im deutschprachigen Raum wächst ständig.

Alter                       Inhalte
Vorschulalter      ABC, Zahlen, Kekse backen, Kinderlieder, Bewegungsspie¬le  zum Mitmachen, Kindersendungen mit Bildungs-Inhal¬ten (z.B Sesamstraße), Tiere

Grundschule       Mathematik und Buchstaben lernen in unterhaltsame Lie¬der, Geschichten und Animationen verpackt, spannende Experimente in Wissenschaft und Technik, Koch-Sendun¬gen (z.B. Nerdy Nummies), Karaoke, Englisch Vokabel

Teenager              Musik-Instrumente Tutorials, YouTuber auf Englisch, diverse Kurzvideos zu schulischen Inhalten (Geschichte, Wissenschaft, etc.) Nachhilfe in Mathe u.ä.

allgemein             Maker Channels (How to Videos), TED Talks, Khan Aca¬demy (Mathe-Erklärvideos), Computer Tutorials

YouTube bietet einige Möglichkeiten den Konsum der Kinder zu kontrollieren. Bei der Web-Version befindet sich die Einstellung für den eingeschränkten Modus ganz unten am Ende der Seite. Diesen eingeschränkten Modus findet man auch in den Einstellungen der mobilen App. Des Weiteren kann man Suchergebnisse auch nach verschiedenen Kriterien filtern (z.B. Alter und Dauer auf Kinder abstimmen). Eine weitere Möglichkeit wäre auch einen eigenen Account oder ein eigenes Profil für das Kind anzulegen. Im Verlauf kann man damit den Videokonsum des Kindes überblicken. Da Kinder geschickt und kreativ in der Umgehung derartiger Einstellungen sind, kann man sich darauf jedoch nicht uneingeschränkt verlassen.

Eltern sollten ihren Kindern vor allem ein gesundes Ausmaß an Vertrauen entgegenbringen und sie zur Eigenverantwortung erziehen. Kinder können mehr davon profitieren, wenn man ihnen interessante und wissenswerte Channels zu ihrem Profil hinzufügt, als wenn man versucht möglichst viel zu versperren. Gelegentlich sehe ich auch gemeinsam mit meinen Kindern ihren YouTube Verlauf durch und bespreche die Inhalte mit ihnen. Wenn sie mir nicht altersgerecht oder angemessen erscheinen, dann erkläre ich den Kindern warum ich mir wünsche, dass sie diese Inhalte nicht weiter ansehen – das klappt ganz gut so, auch ohne großen Zwang. Was die Dauer des Video-Konsums betrifft, so hilft es oft, wenn man den Kinder angewöhnt, dass sie sich selbst einen Timer (z.B. auf dem Tablet) stellen. Nach Ablauf des Timers legen die Kinder das Gerät zumeist automatisch weg.

Mittlerweile hat es sich eingebürgert, dass Kinder und Jugendliche Videos großteils am Smartphone oder Tablet konsumieren. Kleine Bildschirme und die Nähe zu den Augen erhöhen leider das Risiko der Kurzsichtigkeit. Wenn man nicht gerade unterwegs ist, empfiehlt es sich daher die YouTube Videos auf einem TV Gerät anzusehen. Dies ist bei so gut wie allen modernen Smart TVs möglich. Wenn es bei einem Gerät nicht möglich ist, kann man mittels Streaming Stick (z.B. Chromecast, € 39) günstig nachrüsten. Die Bedienung erfolgt dann ganz bequem über das Smartphone oder Tablet und die Videos werden einfach auf das TV Gerät “gebeamt”.

 

Dieser Artikel ist dem eBook: leben.lernen.spielen – Familien in der digitalen Welt entnommen.


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Andreas Hofer

Mag. Andreas Hofer, geboren 1972, ist Lehrer für Fremdsprachen und Multimedia. Eines seiner größten Interessen ist eLearning, vom Lernen mit mobilen Geräten hin bis zu Lernplattformen. Dazu hat der Autor auch bereits zahlreiche Vorträge und Seminare gehalten, sowie Artikel in einschlägigen Fachpublikationen veröffentlicht. Seine Schulprojekte wurden ebenfalls mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit den L@rnie Award, Netdays Awards, sowie den Mediamanual Preis für Medienbildung.


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