Weihnachtliches Telefonieren mit Video und mehr

Wer ist, so wie ich, noch mit einem Vierteltelefon aufgewachsen? Abgesehen davon, dass es eine Wählscheibe, musste vorher ein Knopf gedrückt werden, um das Telefonieren zu ermöglichen. Vorausgesetzt, niemand in den drei anderen Haushalten, mit denen man sich sozusagen ein Telefon teilte, telefonierte gerade. Wir wurden auch deshalb immer wieder ermahnt uns kurz zu halten. Ein anderer Grund uns kurz zu halten, waren die hohen Telefongebühren.

Gerade um die Weihnachtszeit gab es, wie ich mich erinnere, immer wieder Aktionen, die zu bestimmten Zeiten besonders günstiges Telefonieren anboten. Etwa am 25. 12. In der Früh. Womit ich mich als Jugendlicher bei einigen Anverwandten, die mich sonst sehr schätzten, unheimlich „beliebt“ machte.

Heute ist es scheinbar ganz einfach, Kontakt mit nahen und fernen Lieben aufzunehmen. Es gibt eine Reihe von Werkzeugen, um einander nicht nur zu hören, sondern auch zu sehen, sowie einige Werbe-Videos, die deutlich über der Schmalzgrenze angesiedelt sind und heftig auf die Tränendrüse drücken. Also etwa Oma und Opa, die dem Lieblingsenkel virtuell über die Schultern schauen, wenn er ein Geschenk in Lichtgeschwindigkeit auspackt. In einem Webinar am 17. 12. um 20.00 werde ich einzelne dieser Werkzeuge vorstellen.

Was aber nur bedingt die Frage beantworten wird: Welche salbungsvolle Worte sind in solchen Situationen angebracht? Was ziehe ich an? Und wie bringe ich meine Kinder dazu, genau in diesen Moment, wie vereinbart „nett“ zu sein oder gar etwas Musikalisches zum Besten zum geben? Was zeige ich her und was ganz sicher nicht?

Eine Chance dieser Art zu „telefonieren“ ist eine Begegnung auf Augenhöhe, ein intimer Moment, der sich so anfühlen kann, als würde der/die andere tatsächlich im selben Raum sein. Und wie das halt mit solchen intimen Momenten ist – es braucht eine gewisse Zeit um wieder oder ganz neu miteinander warm zu werden, zu erfassen, wo der/die andere im Leben gerade steht. Gerade um die Feiertage herum kommen bei Vielen lange verborgene Emotionen wieder an die Oberfläche, Erinnerungen an Wunschbilder von Nähe und Glück – von Zuwendung und wie diese aussehen könnte. Oder alle Beteiligten glauben, bestimmte Erwartungen und Lebensbilder erfüllen zu müssen, um einen „glücklichen Moment“ nicht zu verderben. Einige Ideen dazu:

  • „Telefonieren mit Bild(ern)“ gelingt in Hinblick auf so fragile Gefühle wie Glück besser, wenn es nicht nur auf ohnehin schon angespannte Zeiten im Jahr konzentriert ist, sondern auch im Alltag stattfindet – spannend ist dazu die Kombination mit Bildern, die über das Jahr hinweg gesendet werden oder auch Einblick über einen (vielleicht intern gehaltenen) Familienblog
  • Weniger ist mehr: nicht gleich das Familienalbum des ganzen Jahres zeigen und alle bekannten Weihnachtslieder mit allen Anwesenden vorsingen wollen, sondern drei bis fünf Einblicke in den Alltag, eine Zeichnung (die nicht erst fünf Minuten vorher entstand), eine Kerze, ein Lied, ein Text. Und Zeit zum Zuhören.
  • Es muss nicht immer „jetzt“ sein. Manchmal ist es wichtig, bewusst einen vorher vereinbarten Termin zu verschieben.
  • Bedenke: Du musst nicht perfekt sein.
  • Rund um Weihnachten ist ein bisschen Kitsch völlig in Ordnung

 


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Christian F. Freisleben

Mag. Christian F. Freisleben-Teuscher; halbtags an der FH St. Pölten im Bereich Hochschuldidaktik und E-Learning tätig sowie freiberuflich als Berater, Referent, Trainer und Journalist mit den Schwerpunkten Bildung, Gesundheit, Soziales sowie Nutzung von Web 2.0 sowie von Angewandter Improvisation in diesen Feldern. http://www.improflair.at


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