TikTok – eine Hassliebe

Auf der App TikTok können kurze Minivideos hochgeladen werden, wobei der Fantasie keine Grenzen gesetzt wird – tanzen, singen, kochen, malen, Inspiration, Spaß, Infos, Tiere und vieles mehr. Mit den hochgeladenen Videos kann, wie bei den meisten sozialen Netzwerken interagiert werden, indem geliked, geteilt oder kommentiert wird.

So sehe ich viele Potentiale in TikTok. Wenn man möchte, kann man sich selbst zeigen, man kann seine Talente zeigen und andere dadurch inspirieren, amüsieren oder sogar helfen. So kann die Kreativität (mit Medien) enorm gefördert werden. Denn zuerst müssen einmal Ideen gesammelt und gefunden werden bzw. sich mit Trends auseinandergesetzt werden und dann müssen diese auch umgesetzt werden können, so kann es auch zu Herausforderungen kommen, dass man beispielsweise Tänze oder Lieder erst lernen muss. Doch auch das Beherrschen der Technik ist wesentlich, denn einige Videos sind gar nicht so einfach zu filmen, sondern müssen beispielsweise mit Schnitten oder Effekten bearbeitet werden. So ist es manchmal nicht einfach und schnell ein Video zu drehen, sondern nimmt viel Zeit und Auseinandersetzung in Anspruch.

Neben den aktiven Teilnehmenden gibt es auch die passiven Zuschauer/innen, welche sich so Ideen, Tipps, Inspirationen und Informationen holen oder sich auch so durch lustige oder kreative Videos einfach die Zeit vertreiben können. Das Kennenlernen von vielen neuen Themen und Perspektiven ist vorprogrammiert. Doch kann es auch zu einem Gefühl der Stärkung und des „Nicht-Allein-Seins“ kommen, welchen Aspekt ich vor allem bei Jugendlichen als wichtig erachte. Denn man kann einige Videos mit ähnlichen Perspektiven oder Problemen finden, und so wird für viele sichtbar, dass man nicht allein ist, sondern mehrere Personen etwas so empfinden und so ein Stück Realität eingebracht wird, dass man beispielsweise nicht immer perfekt aussehen muss, nicht immer gut gelaunt sein muss oder auch mal etwas schiefgehen kann. Wenn ich einen Vergleich beispielsweise zu Instagram ziehe, sehe ich persönlich auf TikTok öfter „Authentizität“ (wie viel davon echt ist kann man diskutieren), doch wird nicht nur die perfekte Welt vorgegaukelt, sondern ein Stück Wahrheit in die digitale Welt gebracht. Zuschauer/innen können sich identifizieren und es wird ein Gefühl der Gemeinschaft geschaffen.

So hat TikTok viele Chance, die genutzt werden sollten und müssen, denn ich glaube, dass wenn man einmal in der App drinnen ist, viele Sichtweisen eröffnet werden können und diese aktiv und reflektiert weiterverwendet werden müssen.

So groß wie meine Liebe für TikTok ist, ist auch meine Kritik. Bei vielen Menschen ist die App sehr verrufen und vielleicht auch etwas mit Recht. Denn unkritisch und unreflektiert sollte man diese nicht verwenden. Ein wichtiges Thema ist der Datenschutz, denn auch wie bei vielen anderen sozialen Netzwerken wird der Umgang mit den Daten kritisch betrachtet, denn für einen Account werden persönliche Daten wie Telefonnummer und E-Mail-Adresse benötigt und beispielsweise werden Kontakte aus dem Telefon ausgelesen. Weiters wird häufig über den Jugendschutz diskutiert, denn die Altersbeschränkung ab 13 Jahren wird nicht überprüft. Zum einen sehen so viele (sehr) junge Kinder unangemessene Inhalte (wie auch auf anderen Plattformen), doch zum anderen können sie sich auch selbst im Internet präsentieren und präsentiert werden. Denn sie können in Videos vorkommen, in welchen sie nicht sein wollen (Freunde, Bekannte,…) aber auch können die Videos auf diversen Plattformen geteilt und gespeichert werden, wodurch in beiden Fällen das Recht am eigenen Bild verletzt wird. Um nochmals auf die unangemessenen Inhalte zurückzukommen ist auch wichtig zu sagen, dass oft auch falsche Bilder bzw. sehr sexualisierende Bilder gezeigt werden, weshalb die Hemmschwelle etwas nachzumachen leichter fällt. Nicht nur durch diese Bilder, sondern generell ist das Risiko (wie auf jeder anderen Plattform), dass man mit Fremden in Kontakt tritt und so beispielsweise Opfer von Cybergrooming wird. So gibt es neben Belästigungen auch die Gefahr von Hatespeech und Cyber-Mobbing.

So finde ich, dass man aber nicht nur die schlechten Seiten der App sehen sollte. Denn es gibt so viele tolle Dinge, die man hier erleben kann. Im Bezug auf Kinder würde ich Grenzen setzten und offen über die wichtigsten Problematiken von TikTok reden und diese eventuell beim Besuch auch unterstützen und bei dem Wunsch der App offen kommunizieren. Die gemeinsame Erkundung einer App kann schon viel Mehrwert bringen und auch einen kritischen Blick eröffnen.

Weitere Links
saferinternet.at
klicksafe.de
internet-abc für Eltern 


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Lydia Klausner


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