Computerspiele

Ginge es nach unseren Kindern, dann hätte jedes ein eigenes Tablet und würde wahrscheinlich rund um die Uhr damit spielen. Und dann glotzen alle nur mehr mit den sprichwörtlichen viereckigen Augen in ihre Geräte. Aber sind PC- und Online-Games automatisch schlecht?

Wie bei so vielen Dingen des Lebens gilt: Die Dosis macht das Gift. Und: Nicht das Medium ist das Problem, sondern der Umgang damit. Digitale Hilfsmittel und Spiele auf Tablet, Computer & Co. können durchaus motivationsfördernd und konstruktiv in der Familie eingesetzt werden. Ein Erfahrungsbericht aus einer Familie mit zwei Kindern im Volksschulalter.

Ich lese immer wieder Computerspiele hätten ein hohes Suchtpotenzial. Speziell die so genannten „Ego-Shooter“ könnten Aggressivität fördern, erhöhtes Gewaltpotenzial auslösen und gesunde Hemmschwellen senken. Immer wieder bekomme ich auch zu hören, Computerspiele würden dumm machen. Stimmt das?

Computerspiele sind besser als ihr Ruf

Anders als Fernsehen ist das Spielen am Computer sehr aktiv. Erfolge stimulieren das Gehirn, Enthusiasmus macht sich breit. Dies hat für Kinder enorm fesselnde Wirkung. Neben den – zum Teil gerechtfertigten – Kritikpunkten haben Computerspiele auch Vorteile. Und: Nicht jedes Computerspiel beinhaltet Gewalt, es gibt eine ganze Reihe wunderbarer, konstruktiver Spiele für Computer, Tablet und Smartphone.

Bei Computerspielen müssen stets mehrere Sachen auf einmal beherrscht werden: Die Gamer müssen sich über eine längere Zeit konzentrieren, Zusammenhänge verstehen, Spielzüge strategisch planen sowie Rätsel lösen. Dies erfordert Intelligenz, Kreativität und Phantasie. Nebenbei trainieren sie beim Spielen ihre Augen-Hand-Koordination, die Fingerfertigkeit auf der Tastatur und den Umgang mit der Maus. Oftmals kommt auch die soziale Kompetenz zum Einsatz, denn in vielen Spielen sind Absprachen mit anderen Spieler_innen erforderlich. Und last but not least soll auch der Spaß nicht zu kurz kommen.

Computerspielen – mit Maß und Ziel

Natürlich ist ein verantwortungsvoller, von den Eltern begleiteter Umgang mit Computerspielen wichtig. Wir dürfen nicht vergessen, dass wir eine wichtige Vorbildfunktion im Umgang mit digitalen Medien haben. Von wem sonst lernen Kinder, dass man Tablet, Smartphone & Co. auch ausschalten kann?

Unsere Kinder, sieben und zehn Jahre alt, dürfen täglich am Computer und am Tablet spielen – mit Maß und Ziel und selbstverständlich nur ausgewählte Spiele. Die Computerspielzeit ist auf eine halbe Stunde begrenzt. Ganz wichtig: eine Wecker-App erinnert an den Ablauf der Zeit. Sie ist bei weitem unbestechlicher und tatsächlich auch glaubwürdiger als jede elterliche Ermahnung! Zur Nachahmung empfohlen!

Motivationsfaktor Spielen – Lernen mit dem Computer

Das Risiko einer Spielesucht ist bei Kindern und Jugendlichen besonders groß, da sie auf die Belohnungssysteme ihres Gehirns stark reagieren. Aber genau dieses Belohnungssystem können wir auch gezielt nutzen. Unsere Kinder haben die Möglichkeit, sich zusätzliche Spielzeit dazuverdienen – etwa durch Hilfe im Haushalt, Erledigungen für die Familie, Erfolge in der Schule oder Fleiß beim Üben von Lerninhalten.

So hat zum Beispiel unser Sohn im Alter von nur neun Jahren mit Hilfe von Online-Übungsprogrammen völlig autonom das 10-Finger-System erlernt. Die Motivation dabei: Am Ende der Übungszeit darf genauso lange noch zusätzlich gespielt werden. Das kleine Einmaleins sitzt bei beiden Kindern hervorragend – nicht zuletzt aufgrund eines eigens programmierten Computer-Programms. Das Programm rechnet bei jeder richtigen Lösung die erreichten Bonuspunkte gleich mit – diese können dann in Computer-Spielzeit eingetauscht werden. Interessiert? Wir haben es online zur Verfügung gestellt.

Links:

Einmaleins online üben und Spielzeit verdienen
Empfehlenswerte Online-Lernprogramme für das 10-Fingersystem
Lernen durch Games?!
Spiel- und Lernsoftware pädagogisch beurteilt
Webinar zum Thema Sims
Webinar zum Thema Computerspiele
Spieledatenbank bupp.at

Dieser Artikel ist dem eBook: leben.lernen.spielen – Familien in der digitalen Welt entnommen.

P.S.: Am 12. Jänner 2017 findet ein Webinar zum Thema „Wie iPads das Lernen unterstützen können“ statt.


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Birgit Strohmeier

Birgit Strohmeier ist Mutter von zwei Söhnen im Volksschulalter und arbeitet als Wissenschaftskommunikatorin und Qualitätsmanagerin im Umfeld der IT-Forschung. Seit 2009 bloggt sie regelmäßig über die großen und kleinen Herausforderungen sowie persönlichen Erfahrungen und Lösungsstrategien im Familienleben: muttis-blog.net


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