Miteinander spielen, drüber reden, informiert bleiben

Die Wünsche der Kinder sind klar: Spiele fürs Smartphone, Tablet, den Computer oder die Konsolen. Die Unsicherheiten der Eltern sind oftmals groß. Welche Spiele sind geeignet? Welche Regeln angemessen? Welche Gefahren gibt es? Wie kann ich mein Kind schützen und unterstützen?

Um Eltern bei diesen Fragen zur Seite zu stehen und Orientierungshilfen anzubieten, wurde 2005 die „BuPP – Bundesstelle für die Positivprädikatisierung von Computer- und Konsolenspielen“ – bupp.at ins Leben gerufen. Die BuPP empfiehlt besonders positive Spiele für Kinder und gibt Eltern auch Hinweise, ab welchem Alter diese Spiele sinnvoll spielbar sind. Die BuPP stellt somit eine Ergänzung zum klassischen Jugendschutz dar, der sich in allen neun Bundes-ländern etwas anders gestaltet. In Wien zum Beispiel muss sich der Handel an die PEGI-Kennzeichnungen halten. Dieses europäische Alterskennzeichnungs-system gibt Auskunft darüber, ab welchem Alter ein Spiel unbedenklich ist, sagt aber nichts darüber aus, ab wann es sinnvoll gespielt werden kann. Das bedeutet, dass eine komplexe Städtebausimulation laut PEGI „ab 3 Jahren“ bewertet würde, weil keine pädagogisch bedenklichen Inhalte, wie z.B. Gewalt, Drogen, vulgäre Sprache, Nacktheit o.ä. vorkommen. Sinnvoll spielbar sind derartige Spiele aber zumeist nicht unter 12 Jahren. Das kann für Eltern verwirrend sein. Die BuPP aber vereint beides. Die BuPP-Altersempfehlungen beziehen sowohl die Spielbarkeit als auch pädagogische Aspekte mit ein.

Da Eltern auch ein Bedürfnis nach Information hinsichtlich bei Kindern und Jugendlichen beliebten, jedoch nicht immer empfehlenswerten Spielen haben, wurde das Angebot der BuPP erweitert. Seither werden unter „Info & Pro/Con-tra“ Informationen und unabhängige Bewertungen zu sogenannten „Bestseller-Spielen“ angeboten. Diese, häufig brutalen Spiele werden hinsichtlich Spielspaß, Pädagogik und Technik analysiert und die Bewertungen in einer Tabelle aufbereitet, damit sich Eltern selbst ein Bild über das Spiel machen können. Eine abschließende Beurteilung seitens der BuPP wird zu diesen Spielen nicht gegeben. Auch Handy- und Tabletspiele werden mittlerweile geprüft.

Neben den Spiele-Infos auf der Website bietet die BuPP auch kostenlose Workshops für Eltern, Pädgagog_innen und Jugendliche an.

Das wirkungsvollste Rezept, um Kinder in der digitalen Welt zu begleiten und sie zu stärken, ist, von Anfang an eine gute Vertrauensbasis aufzubauen. Einerseits gelingt das, indem man dem Kind immer mal wieder sagt, dass es mit jedem Problem, zu einem kommen kann und man nicht wütend sein wird (Daran müssen sich Eltern dann auch halten, kommt das Kind tatsächlich mal mit Schwierigkeiten). Aber auch gemeinsames Spielen oder zumindest die Anteilnahme der Eltern beim Spielen können die Familienverbundenheit stärken und Einblicke in die Lebenswelt der Sprösslinge gewähren. Kinder und Jugendliche erhalten dadurch die seltene Gelegenheit, Erwachsenen etwas beibringen zu können oder zu zeigen, wo sie besser sind. Durch diesen Rollentausch und die Anerkennung durch die Eltern wird der Selbstwert der Kinder gestärkt.

Weiters sind klare Regeln wichtig, um einen verantwortungsvollen Umgang zu lernen. Ob jeden Tag fixe Zeiten oder ein „Wochenkontingent“ vereinbart wird, hängt vom Alter des Kindes ab (Je jünger, desto eher fixe Zeiten, weil das Kind noch wenig Zeitgefühl hat und noch nicht so gut planen kann). Bitte kündigen Sie vor Ablauf der Spielzeit dies dem Kind auch rechtzeitig an, damit es das Level noch abschließen und speichern kann. Lassen Sie sich dann aber auf keine Verhandlungen mehr ein.

Damit Spiele nicht zur Kostenfalle werden, schützen Sie Ihre Kreditkartendaten auf Ihrem Smartphone und Tablet immer mit einem Passwort. Immer mehr Spiele arbeiten damit, durch Zusatzkäufe (In-Game-Käufe) Geld zu machen. Kinder können oft nur schwer unterscheiden, ob es sich um ein Spielelement oder einen Kauf handelt. Informieren Sie sich und ihre Kinder (z.B. über saferinternet.at) über diese und andere Risiken, die durch einen Online-Zugang entstehen können (z.B. offene Chats, Datenweitergabe etc.). Wenn die Jugendlichen über die Gefahren Bescheid wissen, können sie sich selbst davor schützen und die positiven Seiten der digitalen Welt erleben. Generell gilt also: Junge Kinder schützen, ältere stützen.

Damit digitales Spielen das ist und bleibt, was es sein soll, nämlich Spaß und eine von vielen Freizeitbeschäftigungen, ist es wichtig, selbst ein gutes Vorbild zu sein und ein abwechslungsreiches Freizeitangebot anzubieten. Haben Sie dennoch das Gefühl, dass sich Ihr Kind immer mehr in die Spielewelt zurückzieht, steckt unter Umständen auch ein ganz anderer Grund dahinter. Sie können Ihr Kind behutsam darauf ansprechen (Vermeiden Sie dabei, sein Spielverhalten in den Fokus zu stellen) oder auch kostenlose Beratung in Anspruch nehmen (familienberatung.gv.at). Ein gutes Selbstwertgefühl durch Anerkennung und Selbstwirksamkeitserfahrungen, gemeinsame Gespräche, die die Reflexionsfähigkeit und das kritische Denken fördern und eine Vertrauensperson sind wichtige Grundlagen für eine positive, selbstbestimmte Entwicklung.

Weitere Informationen:

Computerspiele und Konsolen als Weihnachtsgeschenk – Webinar #9
Spiel und Wirklichkeit – Jugendliche in Sims 4 – Webinar #6
digi4family.at/Computerspiele
Digitale Spielwelten

 

Dieser Artikel ist dem eBook: leben.lernen.spielen – Familien in der digitalen Welt entnommen.


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Karina Kaiser-Fallent

Karina Kaiser-Fallent ist Projektleiterin der BuPP – Bundesstelle „Information zu digitalen Spielen“ und seit 2002 im Bundesministerium für Familien und Jugend, Abteilung Jugendpolitik tätig. Ihre Diplomarbeit in Psychologie hat sie über den "Vergleich der Mutter-Kind-Interaktion bei klassischen Spielsituationen und einer Computerspielsituation" geschrieben.


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