Mit Spotify und den Kids in der Küche tanzen

Im Artikel „Wer gibt zu Hause den Ton an?“ der ersten Ausgabe von DAD, dem neuen Vätermagazin von Men’s Health, wird eine Untersuchung des Musik-Streaming Anbieters Spotify zitiert, um folgende Behauptung aufzustellen: Wenn ein Kind geboren wird, stirbt der Musikgeschmack seines Vaters. Der US-Datendienstleister The.echonest.com sammelte nämlich für Spotify die Popularitätsdaten von Musikstars und fand dabei heraus, dass „ein Mann im Durchschnitt ab dem 33. Lebensjahr nicht mehr offen für aktuelle Musiktrends“ ist. Außerdem wurden Spotify-Nutzer mit und ohne Kinder verglichen und ein zunehmender popmusikalischer Verfall festgestellt.

Bei mir hat die Nutzung von Spotify dazu geführt, dass ich laufend neue Künstler_innen entdecke. Im letzten Jahr habe ich laut individualisiertem Jahresrückblick des Streaming-Anbieters insgesamt 1.815 unterschiedliche Bands und Musiker_innen gehört. Das klingt für mich gar nicht nach Verfall und das obwohl ich zwei Kinder habe und älter als 33 Jahre bin. Einen Teil der Künstler_innen kannte ich sicher vorher schon, viele habe ich aber über Spotify zum ersten Mal gehört. Denn über die Funkion “Künstler-Radio starten” bzw. “Album-Radio starten” schlägt mir das Service immer wieder neue Lieder vor, die zu meinem Musikgeschmack passen.
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Natürlich höre ich aber auch alte Perlen und Klassiker und teile diese dann mit meinen Kindern. In einem Gastartikel auf netzpiloten habe ich darüber folgendes geschrieben:

„Ich habe es auch im Zusammenhang mit der Musikerziehung meiner Kinder schätzen gelernt. Sobald mir im Gespräch mit meinen Kindern oder beim Spielen assoziativ ein Song aus vergangenen Tagen einfällt, packe ich schon mein iPhone heraus und öffne Spotify. Gemeinsam tanzen wir dann durch die Wohnung und haben Spaß.“

Heute morgen war es zum Beispiel ein Song von den Beatles, gestern David Bowie, ein anderes Mal Daft Punk oder die Zauberflöte. Manche Songs haben meine Kinder noch nie gehört, andere Songs erkennen sie mittlerweile wieder, wenn sie zum Beispiel im Radio gespielt werden. Eine moderne Form der Musikerziehung also.

Das Schöne an Spotify ist, dass man geliebte Songs in Playlists, also in persönlichen Liedersammlungen, speichern und anschließend rauf und runter hören kann. Wenn das langweilig wird, klickt man einfach auf “Playlist-Radio starten” und schon kommt neue Musik auf Basis der Interpret_innen aus der aktuellen Songauswahl. Playlisten können zudem öffentlich sein und von anderen Nutzer_innen abonniert werden. Immer wieder stolpern meine Kinder und ich auf diese Weise über nette Lieder und Alben oder auch Genres. Wir folgen zum Beispiel der Playlist “Folk for Kids”, die der Streaming-Dienst selbst kuratiert oder auch der Liste “Indie Kids: Most Popular Indie Kids Songs Of 2015” eines Nutzers namens “Fatherly”.

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Wir hören aber nicht nur Songs auf Spotify. Sehr oft suchen wir auch nach Hörspielen oder Geschichten. Auch dieser Aspekt wurde mir in der Jahresstatistik noch mal verdeutlicht, wie der Screenshot unten zeigt. Die Geschichten von “Leo Lausemaus” hat vor allem meine Tochter im letzten Jahr offensichtlich fast so oft gehört, wie ich meine zwei Lieblingsbands. „Abgesehen davon ermöglicht es uns, in Alben reinzuhören, bevor wir sie kaufen“, habe ich im netzpiloten-Artikel noch geschrieben. Das ist vor allem dann von Vorteil, wenn man nach einer guten Version einer bekannten Story sucht, etwa bei einem Märchen.

Ich gebe allerdings zu, seit wir auch im Auto via Bluetooth vom Handy streamen können und in der Wohnung über eine Streaming-taugliche WLAN-Anlage Musik hören, kaufen wir selten “klassisch” Musik, also etwa in Form von CDs. Weniger Musik konsumieren wir deshalb aber nicht und auch mein Musikgeschmack stirbt dabei nicht. Im Gegenteil, meine Kinder sorgen dafür, dass ich laufend neue Songs entdecke – nämlich Kinderlieder. Ich sage nur “Die Räder vom Bus, die rollen dahin…”

Spotify ist lt. Wikipedia ein Musikstreaming-Dienst der es ermöglicht, Musik und Hörbücher einer Reihe großer Plattenlabels wie Sony, EMI, Warner Music Group und Universal sowie zahlreicher kleiner Labels über das Internet zu hören. Der Dienst wurde im Oktober 2006 von dem schwedischen Startup-Unternehmen Spotify AB gestartet. Er ist in mehr als 50 Ländern verfügbar. Über Apps ist eine Nutzung auch auf mobilen Geräten möglich. Die Basisfunktion ist kostenlos. Die volle Nutzung ist an ein kostenpflichtiges Abo gebunden (Familienrabatt).

 

Dieser Artikel ist dem eBook: leben.lernen.spielen – Familien in der digitalen Welt entnommen.

PS: Am 3.11.2016 fand ein Webinar zum Thema Crowdfunding mit dem Autor statt.


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Wolfgang Gumpelmaier

Wolfgang Gumpelmaier beschäftigt sich seit über fünf Jahren mit dem Thema Crowdfunding und hat in dieser Zeit zahlreiche Projekte beraten, betreut und mehrere eigene Projekte auf diese Weise finanziert. In Workshops begleitet er angehende Crowdfunder bei der Planung ihrer Kampagnen. Als Crowdfunding-Experte am Institut für Kommunikation in Sozialen Medien forscht und schreibt er zudem regelmäßig zum Thema und hält dazu Vorträge, Seminare und Webinare. Er ist Mitglied im German Crowdfunding Network, Herausgeber des Crowdfunding-Newsletter und Moderator des Crowdfunding-Talks auf www.ununi.tv. Zudem gibt er im Rahmen seiner monatlichen Corwdfunding-Sprechstunde in der Tabakfabrik Linz Kreativschaffenden aus Oberösterreich Tipps rund um Crowdfunding.


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