Internetkunde? – das neue Aufklärungsfeld für Jugendliche

Die meisten Jugendlichen verwenden das Internet und fühlen sich auch oftmals sehr wohl, ohne ihre Handlungen zu hinterfragen. Zum einen ist das Internet ein Medium der Unterhaltung, Kommunikation und Selbstdarstellung. Sobald man sich bei einer Seite registrieren muss, werden diverse Daten weitergegeben und so ein Teil der Privatsphäre oftmals unreflektiert preisgegeben. Man tritt in Kontakt mit unterschiedlichen Personen ohne, dass man diese kennt.  Man lädt Bilder von sich selbst oder anderen hoch, welche nicht angemessen sind. Zum anderen gibt es aber auch die Möglichkeit für Informationen. Es gibt eine große Menge an diversen Daten, die verwendet werden können von einfachen Artikeln über Lernvideos bis hin zu Zusammenfassungen. Diese Informationen werden aufgenommen, weiterverarbeitet und oft weiterverbreitet, doch werden diese meist nicht kritisch hinterfragt.

Wie kann ich mein Kind im Internet unterstützen?
Wichtig ist eine offene Kommunikation zueinander, denn nur, wenn es weiß, dass du für ihn da bist, wird er/sie sich bei dir Melden, wenn es Probleme gibt. Auch stehen Verbote nicht an erster Stelle, denn meist verschlechtert dies nur die Situation. Somit ist es wichtig immer wieder mit deinem Kind zu sprechen über diverse Themen, hier einige Themen im Internet, welche relevant für jede/n Jugendliche/n sein kann:

Datenschutz – Privatsphäre
Wie jeder weiß, ist es wichtig sorgfältig mit seinen Daten im Netz umzugehen. Wichtig wäre es deshalb mit Jugendlichen immer wieder über das Thema zu sprechen und auch aktiv miteinander zu schauen, wenn es Unsicherheiten gibt. Sprecht über sichere Passwörter und schaut, wie man diese am besten erstellen kann. Weiters wäre es wichtig immer mal wieder zu kontrollieren, ob die Firewall und das Antivirusprogramm aktuell ist oder ob diese wieder einmal erneuert bzw. geuptdated werden sollen.
Sprecht und schaut gemeinsam, welche Daten im Internet (nicht) preisgegeben werden sollte. Wo soll ich meine E-Mail-Adresse und Handynummer angeben? Wo kann ich meinen echten Namen angeben und wo sollte ich besser einen Nickname verwenden? Darf ich meine Adresse wo angeben? Zu seinen persönlichen Daten gehören aber auch Fotos und Videos, weshalb es wichtig ist zu überdenken, auf welchen Seiten man diese hochladen möchte und wem ich privat schicken sollte. Doch auch die Fotos und Videos von anderen müssen vertrauensvoll verwendet werden, denn nicht jeder möchte, dass sein Foto auf Instagram, Facebook und Co verbreitet wird. Wichtig ist, seine Freunde/innen zu fragen, bevor man ein Foto teilt und falls sie es nicht möchten, dies auch zu akzeptieren, denn man selbst will schlussendlich auch nicht ein nicht so schönes Foto von sich selbst im Netz finden.

Falsche Freunde im Netz
Oft sieht man nur das gute im Menschen, doch weiß man nie, wer im Internet wirklich hinter Profilen steckt. Menschen können sich als dein Freund ausgeben, indem er den Namen und das Bild annehmen und allen Bekannten eine Freundschaftsanfrage schickt oder ihnen folgt. Ohne zu hinterfragen, nimmt man die Person an und tritt auch mit dieser in Kontakt. Es werden Gespräche geführt und persönliche Daten ausgetauscht, welche dieser eventuell weiterverkauft oder weitergibt. So ist es wichtig zu hinterfragen, ob wirklich die behauptete Person dahintersteckt. Habe deshalb ein offenes Ohr für dein Kind und sprich mit ihm über falsche Profile, dass es auch abzocken sein können. Denn oftmals versuchen sie an Geld oder ähnliches heranzukommen und dann steckt man in einer Falle, aus welcher man sehr schlecht wieder rauskommen kann.
Eine weitere Form von Fake Profilen kann sein, dass diese einen ganz neuen Charakter schaffen und mit Jugendlichen in Kontakt treten. Hinter den Profilen stecken oft (männliche) (ältere) Personen, welche Jugendliche sexuell belästigen und teilweise auch missbrauchen. Durch eine Vertrauensbasis, welche durch banale Gespräche und Verständnis für Probleme und Hobbies aufgebaut wird, kommen die Erwachsenen den Jugendlichen sehr nahe. Es wird nach Bildern verlangt, welche anfangs vielleicht harmlos sind, doch dann immer mehr verlangt wird. Dies ist schon Straftat genug, doch teilen einige diese dann auf Kinderpornografie-Foren, wodurch auch Drohungen ausgesprochen werden können, falls der/die Jugendliche sich weigert weiter Kontakt zu haben. Falls sich jemand mehr für dieses Thema interessiert, kann man sich mit dem Begriff Grooming auseinandersetzen.
Es ist wichtig seinen Kindern auch offen über so etwas zu sprechen, wenn man merkt, dass etwas los ist, sollte man vertrauensvoll mit ihm/ihr reden und so gemeinsam zu Lösungen kommen. Baue deshalb von Anfang an ein gutes Vertrauensverhältnis auf, denn nur wenn dein Kind weiß, dass du nicht gleich böse wirst, sondern ihm helfen möchtest und es respektierst, dann wird es auch zu dir kommen.

Sexting
Unter Sexting wird das Verschicken von selbstgemachten freizügigen Bildern verstanden. Dies wird oft in Beziehungen oder anfangenden Beziehungen gemacht, um Interesse, Nähe, Vertrauen und Lust auszudrücken. Doch auch kann dies unter Freunden sein, um Rückmeldung über sein eigenes Aussehen zu bekommen. Oft geschieht bei dem Austausch dieser Bilder nichts, doch müssen die negativen Folgen auch im Hinterkopf gehalten werden, denn nicht jeder geht so vertrauensvoll um mit den verschickten Bildern wie man denkt. Es kann sein, dass die Bilder in der Freundesgruppe weitergeleitet werden aber auch an die breite Masse auf beispielsweise social Media gestellt wird.
Sprecht deshalb offen mit euren Kindern über solche Fotos, schon relativ früh, hierbei wird nicht gemeint gleich über Nacktbilder zu sprechen. Doch ist es wichtig das Recht am eigenen Bild zu erklären und wie wichtig es ist zu hinterfragen, wem man was schickt. Falls man merkt, dass sein Kind Bilder an eine/n Freund/in schickt, dann sprecht darüber, dass es gefährlich sein kann und dies kein Liebesbeweis ist. Redet darüber, wie man Nähe anders zeigen kann. Sprecht auch darüber, wie Bilder sicherer werden und wie man nicht die Kontrolle verlieren darf, denn es ist wichtig, dass wenn man Bilder verschickt, man selbst nie die Oberhand über seinen Körper verliert.

Cybermobbing
Mit Cybermobbing wird verstanden, dass im online Raum, beispielsweise auf sozialen Netzwerken eine Person von einer oder mehrerer Personen verletzt, bedroht oder Gerüchte über diese verbreitet werden. Durch die Anonymität des Internets ist es oft leichter für die Täter ihre Opfer zu finden und ohne Angst erkannt zu werden diese zu beleidigen. Falls dein Kind Opfer von Cybermobbing wird, sprecht darüber. Wichtig wäre es nicht auf unnötige Kommentare zu antworten, da dies meist die Situation nur verschlimmert. Sichert alle Nachrichten, welche gefunden werden, um Beweise zu haben, da im Internet schnell etwas verschwindet. Aber meldet es auch der Webseitenbetreiber, diese können Inhalte löschen bzw. können Profile sperren. Selbst kann man Personen blockieren, damit diese nicht mehr auf dein Profil greifen können. Wichtig ist, dass man nie alleine gelassen wird, wenn dein Kind nicht nur mit dir sprechen will sucht eine Beratungsstelle oder ruft bei Rat auf Draht an, damit sich dein Kind beraten lassen kann.
Falls du merkst, dass dein Kind andere im Internet mobbt, hinterfragt das Verhalten, oft hat es Gründe, warum diese andere verletzen. Versucht einen Perspektivenwechsel anzuregen, damit sich der/die Jugendliche in die andere Person hineinversetzen kann und merkt, wie verletzend und belastend dieses Verhalten sein kann. Auch wenn das Verhalten unangemessen ist, steh zu deinem Kind und versucht gemeinsam Lösungen zu finden.

Fake News und Verschwörungstheorien
Vor allem seit der Corona häufen sich Fake News und Verschwörungstheorien an. Auf diversen Kanälen beispielsweise TikTok und Instagram, aber natürlich auch im Internet generell werden diese immer mehr verbreitet. Es wird immer schwieriger die Informationen zu filtern und die Relevanz zu erkennen. So nehmen manche Jugendliche Informationen unkritisch und unreflektiert auf, da diese mit Bild und Text deutlich präsentiert wurden. So ist es wichtig, dass Eltern und Lehrer/innen ein kritisches Bewusstsein für Informationen vermitteln. Zunächst ist es wichtig zu erklären, dass der erste angezeigte Link oder ein Video, welches sehr herumkursiert nicht gleich der Wahrheit entspricht und nicht immer vertrauenswürdig ist. In vier Schritten kann man versuchen eine Aussage auf ihre Glaubwürdigkeit zu bestimmen. Im ersten Schritt muss überprüft werden, wer hinter dem Inhalt/der Quelle steckt, beispielsweise muss bei einem Text ein/e Autor/in stehen und zusätzlich im Impressum der Webseite Auskunft gegeben werden, wer hinter dieser Steckt (Adresse, Postfach, Institution,…). Weiters müssen die Fakten überprüft werden, ob mehrere (glaubwürdige) Seiten dieselben Aussagen treffen, oder ob diese vielleicht auf der zuerst gefundenen Seite anders dargestellt wurden (verkürzt, andere Wortlaute,…). Im nächsten Schritt kann man die verwendeten Bilder unter die Lupe nehmen. Ist dies eventuell bearbeitet? Passt das Bild zum Text? Dies kann man durch die Bildersuche in Google beispielsweise überprüfen. Im letzten Schritt muss noch die Aktualität der Informationen hinterfragt werden, da diese auch vor einiger Zeit erschienen sein kann, durch Filterfunktionen oder durch das Überprüfen mithilfe von anderen Seiten kann man die Aktualität herausfinden.

Exzessive Internetnutzung
Wichtig ist es auch über die Zeit im Internet und am Handy zu sprechen, oft fällt es einem selbst gar nicht mehr auf, dass man sehr viel Zeit im Internet verbringt und denkt gar nicht, dass diese eine suchtähnliches Verhalten sein kann. Wichtig ist, bevor man sein Kind für eine exzessive Internetnutzung zu beschuldigen, sich auch einmal selbst an die Nase zu fassen und zu schauen, wie man selbst mit dem Internet umgeht, denn als Elternteil, enge Bezugsperson oder Pädagoge/in hat man eine Vorbildsfunktion und oft hängt dies auch mit dem Verhalten des Jugendlichen zusammen.
Punkte, woran erkannt werden kann, ob eventuell zu viel Zeit im Internet verbracht wird sind: ein sehr starkes Verlangen, der Kontrollverlust bei zu wenig digitaler Zeit, Schuldgefühle, mehr Streit untereinander, Lustlosigkeit für andere Tätigkeiten (Hobbies, Schule,…), Verheimlichung, Verharmlosung und Störungen wie Nervosität und Reizbarkeit. Wenn einige dieser Punkte zutreffen, sollten gemeinsame Regeln festgelegt werden. Wichtig ist keine totalen Verbote aufzustellen, sondern eine Reduktion der Internetnutzung zu versuchen. Sei nicht der Feind, sondern der Freund mit dem der/die Jugendliche reden kann, oft trauen sie sich nicht mehr, wenn sie merken, dass sie etwas falsch machen. Zusätzlich bringen Verbote das Gegenteil und sind ein Reiz noch mehr „Verbotenes“ zu machen. Sei offen und sprich über deine Bedenken und höre dir die Seite des Jugendlichen an.

Interessante Links
Allgemein
Beratungsbeispiel Rat auf Draht
Datenschutz
Falsche Freunde im Netz 
Grooming
Nacktbilder 
Sexting
Cybermobbing 
Cybermobbing – Was tun? 
Konversation starten 
Mein Kind mobbt andere 
Fake News 

Webinare zu den Themen
Cybergrooming: 28.04.2021 10:00-12:30 – Wie schütze ich mein Kind vor Cybergrooming; kostenlos, Veranstalter SAEK Riesa
Sexting: 08.06.2021 18:30-20:00 – Sexualität 2.0-über Sexting, Pornographie, Sextoys & Online-Dating; kostenlos via zoom ohne Anmeldung; Veranstalter Arbeiterkammer Burgenland
Cybermobbing: 08.05.2021 09:30-12:30 – Cybermobbing Aufklärung und Prävention; kostenlos; Veranstalter Kreisjugendring Miltenberg
Fake News: 06.05.2021 19:00 – Fakten/Fake News/Freie Meinung – Was und wem kann ich glauben?; kostenlos via zoom, Veranstalter Skep Tisch
Exzessive Internetnutzung: 10.05.2021 18:00-19:30 – Immer online. Immer erreichbar. Always-on! Haben wir es mit einer neuen Sucht zu tun?; kostenlos; Veranstalter VHS Dresden

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Lydia Klausner


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