Digital Literacy in der Familie (weiter)entwickeln

Es gibt den Mythos der „digital natives“, also von Menschen die angeblich mit dem Internet groß geworden sind, also allerfrühestens Anfang der 90er Jahre das Licht der Welt erblickten. Inzwischen scheint es keinen „jungen Menschen“ mehr zu geben, der/die nicht mit dem Smartphone groß geworden ist. Nicht wenige „ältere Menschen“ sagen von sich selbst sinngemäß: „Naja, so gut wie die kann ich nicht mit diesem Internet umgehen.“  Allerdings: „jung“, „alt“ sind keine homogene Gruppen, Lebensrealitäten sind sehr vielfältig und wandlungsfähig.

Wie erwähnt ein Mythos: Es stimmt schon, das Internet ist in über 90 Prozent der österreichischen Haushalte eine Realität. Laut einer aktuellen deutschen Studie nutzt jeder zehnte Dreijährige bereits das Internet und weiß u. a. was YouTube ist. Auf ähnliche Ergebnisse kommt auch etwa die 4. Oberösterreichische Kinder- und Jugendmedienstudie. Das bedeutet aber auf keinen Fall automatisch, dass Dreijährige wissen, welche Funktionen ein Smartphone hat oder gar wie diese sinn- und verantwortungsvoll nutzbar sind. Dies gilt ebenso für z.B. 14jährige oder auch für Studierende. Viele dieser „jungen Menschen“ nutzen etwa ein Smartphone im Alltag, und haben von manchen Funktionen noch nie gehört oder sind überrascht, wieviel an Mitgestaltungsmöglichkeiten sie bei den Inhalten haben.

Zeit das Wort „digital literacy“ zu erklären: Es geht eben um mehr als zu wissen, wie ein Smartphone einzuschalten (oder aufzuladen) ist. Es geht um Kompetenz: Informationen zu suchen, beurteilen zu können – auch durch die Suche nach „anderen“ Quellen – und ebenso sie (mit) zu gestalten, eigene Meinungen einzubringen (siehe diesen Blogbeitrag). Eingeschlossen ist damit ebenso ein gegenseitiger, wertschätzender und unterstützender Umgang.

Was das für den Familienalltag heißt? Kinder lernen durch Nachahmung. Sie sehen, wie wir digitale Medien nutzen und wollen das ebenso ausprobieren. Wenn sie das zuhause nicht können (dürfen) werden sie das eben woanders machen. Wichtig ist Kompetenz im Umgang zu stärken. Das geht am Besten über Ausprobieren: Also etwa Web-Suchmaschinen zu besuchen und zu sehen, welche Informationen so zu entdecken – und eben auch mitzugestalten sind. Sich das Handy anzusehen, nach neuen Apps zu suchen, sie beim nächsten Familienausflug mal zwischendurch auszuprobieren. Und bei „älteren Kindern“, die schon mehr Erfahrungen haben, zeigen lassen, wie sie mit dem Internet umgehen, wem sie dort begegnen, was sie dabei lernen.

Und die „dunklen Seiten“ im Internet. Die gibt es. Weil das Internet ein vielfältiger Spiegel unserer Realität ist, in all ihren Facetten. Natürlich sind kindgerechte Suchmaschinen wichtig. Und immer wieder ein gemeinsames Surfen, das Nutzen von verschiedenen Endgeräten. Manchmal wird dann ein Kind, ein Jugendlicher, eine Erwachsener selbst etwa ausprobieren, Inhalten finden, die abstoßend, verwirrend sind. Entscheidend ist dann das offene Gespräch darüber. Auch darüber, wie zu „so etwas“ Kontrapunkte gesetzt werden könnten – und das dann auch gemeinsam zu tun.

Ein wichtiger Hinweis am Ende: Es gibt nicht „digital“ oder „analog“ – es gibt sehr vielfältige Wege sich Informationen anzunähern, sie in den eigenen Alltag zu integrieren, sie (mit) zu gestalten – analog und digital.


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Christian F. Freisleben

Mag. Christian F. Freisleben-Teuscher; halbtags an der FH St. Pölten im Bereich Hochschuldidaktik und E-Learning tätig sowie freiberuflich als Berater, Referent, Trainer und Journalist mit den Schwerpunkten Bildung, Gesundheit, Soziales sowie Nutzung von Web 2.0 sowie von Angewandter Improvisation in diesen Feldern. http://www.improflair.at


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